Früher schrieb ein Liederdichter für ein Lied locker fünf bis zehn Strophen, und die wurden auch alle gesungen. Heute genügt schon ein einziger Chorus, und der wird dann eben fünf bis zehnmal gesungen. Diese Verminderung der Strophen kann man deshalb auch als Katastrophe bezeichnen (natürlich nur rein sprachlich gesehen, »kata« heißt »herab«, also weniger). Wegen dieser Eingleisigkeit spricht man von der »Lobpreisschiene«, auch dann, wenn der Chorus durch einige Strophen angereichert wird. Lobpreisverdächtig ist ein Lied, in dem irgendetwas erhoben wird, möglichst ein Thron. Ein Lied, in dem nicht spätestens in der zweiten Strophe ein Thron steht, ist rein lobpreismäßig als mangelhaft einzustufen. Stufen zum Thron sind übrigens meist überflutet beziehungsweise überströmt, daher am besten zu überspringen, zum Beispiel die Stufe des Leidens, der Selbstverleugnung, des Kreuz-auf-sich-nehmens und ähnliche unangenehme Dinge, die in der Bibel als Preis der Nachfolge genannt werden. Man kann halt nicht jeden Preis loben. Auf einer höheren Stufe des Lobpreises befindet sich das Liedgut in der Sprache der Engel, also Englisch. Hier kommt es verständlicherweise nicht mehr darauf an, verständlich, sondern einfach »high« zu sein?

If a Martian visited earth and observed earthlings at public worship in contemporary or nontraditional settings, what would he/she/it report back to the home planet? (A similar exercise could be imagined for more traditional churches, with different results.)

My friend John, a music professor rather than an extraterrestrial, noticed something too few earthlings have noticed (see his full article at www.anewkindofchristian.com). Too many of our worship songs are more about us than God. Yes, we say the words "praise/thank/bless God," but mostly, what for?

(Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift »Unter Uns« als Teil einer Pro & Contra Frage zum Thema »Lobpreis«. Der entsprechende »Pro«-Artikel von Roland Werner ist ebenfalls hier nachzulesen)

Fürchterlich! Öde! Knicken! Wenn ergraute Bedenkenträger den mahnenden Finger heben und an etwas herummäkeln, was sich unwiderlegbar durchgesetzt hat. »Darf man in der Kirche Popmusik machen?« fragten beleidigte Kirchenmusiker in den späten 70er Jahren, als Popmusik längst d a s regierende Stilmittel missionarischer Jugendveranstaltungen war. »Sind E- Gitarre, Schlagzeug und freche Texte gottesdiensttauglich?« wurden wir von Gralshütern der Liturgie gefragt. Was uns egal sein konnte, wenn 900 Jugendliche in unseren Gottesdiensten saßen und 9 Omas in ihren.

   
© G. Baltes / T. Schröder