?Leiter gesucht!? ? so hatte ich in einem Artikel über die Lobpreiskultur vieler Gemeinden formuliert. ?Nein, davon bitte nicht noch mehr!? ? das war die spontane Reaktion einer Leserin, die dem Artikel in allen anderen Punkten gut folgen konnte. ?Ich habe die schönsten Zeiten des Lobpreises erlebt, mit einer Frau, die sich immer gewehrt hat, den Lobpreis zu LEITEN.?, schrieb sie in einem Leserbrief. ??Nein, ich HELFE euch beim Lobpreis?. Das war ihr Bekenntnis und so hat sie sich verstanden. Sie hat uns mitgenommen in die Unmittelbarkeit ihres Gebetes, ihres Lobpreises und wir waren herausgefordert, mit ihrer Hilfe selbst einen Weg zu gehen im Lobpreis, im Gebet. Die Qualität des Lobpreises hängt m.E. letztlich nicht davon ab, wie gut ein Lobpreisleiter ist, sondern wie sehr die versammelte Gemeinde in einer ganz natürlichen Beziehung zu ihrem Herrn steht. Manchmal habe ich das Empfinden, dass es zu viele gibt, die Lobpreisleiter sein wollen, und die sich sehr anstrengen, die Gegenwart Gottes herbeizuführen... dabei ist Er schon immer da!?

Spätestens seit dem denkwürdigen Auftritt unseres designierten Außenministers Guido Westerwelle in einer internationalen Pressekonferenz ist das Thema wieder in aller Munde: Darf man in Deutschland nur deutsch sprechen?
Für viele Gemeinden und Lobpreisleiter stellt sich diese Frage schon lange: Sollte man in deutschen Gottesdiensten englisch singen (dürfen)? Wenn man sich die Realität in vielen Gemeinden, Jugendgottesdiensten und Konferenzen ansieht, dann ist diese Frage allerdings schon längst beantwortet: Englische Songs gehören inzwischen fast überall zum Normalprogramm.
Wer da noch fragt, ob das auch gut und richtig so ist, der läuft Gefahr, wie unser zukünftiger Außenminister als weltfremd und borniert zu gelten. Aber ist das wirklich so?

Mittlerweile gehören sie zum deutschen Jahreskreislauf wie die Advents- und Osterzeiten: Die großen deutschen Casting-Shows. Wir beginnen das Jahr mit der Suche nach dem nächsten Superstar und beenden es mit der Kür zum Supertalent. Und zwischendurch sind wir auf allen Kanälen fast pausenlos auf der Suche nach den Besten, Schönsten, Absurdesten und Beliebtesten. Casting-Shows sind aus dem Alltag unserer gegenwärtigen Unterhaltungsszene nicht mehr wegzudenken. Aber warum sind sie eigentlich plötzlich so populär geworden? Es gibt dafür sicher viele Gründe, und ich bin kein Experte der Popkultur. Aber ich glaube, dass die Ursache (unter anderem) auch in der verwirrenden Vielfalt der Möglichkeiten liegt und in dem verständlichen Bedürfnis, inmitten dieser Vielfalt Orientierung und Wertung zu finden: Was, von all dem, was es so gibt in aller Welt, verdient meine besondere Aufmerksamkeit und was ragt aus der großen Masse heraus? Das öffentliche Schaulaufen der Talente, so glamourös und gleichermaßen brutal es ist, dient den Zuschauern dazu, aus dem unüberschaubar Vielfältigen das wenige herauszufiltern, das sie noch verkraften können und das sie wertschätzen sollen. Und zugleich ist es für die Teilnehmenden die seltene Möglichkeit, in einer Zeit der Belanglosigkeit und Gefühlskälte um Anerkennung und Wertschätzung zu buhlen.

In meinen Gesprächen mit Anbetungsleitern höre ich immer wieder die Frage, warum sich manche Gemeinden schwerer tun, Zeiten für Lobpreis und Anbetung in ihren Gottesdienst zu integrieren als andere. Verunsicherte Lobpreisleiter oder auch unzufriedene Gottesdienstbesucher fragen sich: Liegt es daran, dass unsere Gemeinde ?verstockt? ist und einfach nicht versteht, worum es geht? Fehlt ihnen das ?Herz der Anbetung?? Oder sind wir einfach zu traditionell und nicht für Veränderung offen? Liegt es an unserer Unfähigkeit als Lobpreismusiker? Oder haben wir einfach noch nicht die richtigen Lieder gefunden?

In den vergangenen Wochen haben wir weltweit Katastrophen und Kriege von erschreckendem Ausmaß erlebt. Die Medien sprechen von ?apokalyptischen Szenarien?. Wie kann man angesichts solcher Ereignisse noch sonntags im Gottesdienst stehen und Lobpreislieder singen? Welche Lieder haben wir, und welche Worte finden wir, um unsere Anbetung auszudrücken ? oder können wir nur noch verstummen? Für viele Christen stellt sich in diesen Wochen diese Frage ganz elementar. Auch mir hat sie sich gestellt, als ich mich auf ein Anbetungsseminar vorbereitet habe, das ich eine Woche nach dem Erdbeben in Japan zu halten hatte. Diese ganze Woche war geprägt von erschreckenden Fernsehbildern, mehr als zehntausend Todesopfern, der Angst vor dem atomaren Super-GAU und von Bombenangriffen in Libyen. Welchen Platz hat inmitten einer solchen Welt das Thema Anbetung?

   
© G. Baltes / T. Schröder
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