Die Musik ist Gottes Idee. Sie kommt von ihm und sie ist für ihn oder besser »auf ihn hin« geschaffen. Sie ist nicht ziellos erdacht, als ein schönes Unterhaltungsprogramm gegen schlechte Gefühle, sie hat eine Richtung, ein Ziel: Jesus. Und obwohl man das noch nicht sehen kann, kann man es doch spüren:

Wie die gesamte Schöpfung, sehnt sich die Musik nach Erlösung. Nach Befreiung von der Vergänglichkeit, nach der Sinnhaftigkeit, die in dem Ziel ihre ganze Bedeutung findet. Und wenn wir Musiker uns als »kreative« Menschen betiteln, so können wir es nur im Schatten des Allmächtigen, der schon alles geschaffen hat, was wir erst so mühsam entdecken müssen. Er kennt alle Songs, alle Sounds, alle Melodien, alle Rhythmen.


Er ist der Meistersänger, der Meisterdrummer, der Meistergeiger, der Meistergitarrist, er beherrscht jedes Instrument meisterlicher als wir uns es jemals erträumen würden. Er hat all die tollen Songs und Sinfonien »versteckt«, die wir wie die Eier am Ostersonntag finden und von denen wir meinen, sie selbst komponiert zu haben.

Dieser Gott ist grandios. Er ist »avant garde«, unserer Zeit weit voraus in Stil und Geschmack, er ist ultratraditionell, weil er noch das sieht, was wir längst vergessen haben. Er ist unglaublich leidenschaftlich und verschwenderisch. Wenn er sich bei der Erschaffung der Welt um das Thema Fische kümmert, belässt er es nicht bei einer einzigen Fischart, vielleicht einem Hering, sondern er schafft Tausende von Fischarten, mit Tausenden von Unterarten. Er kennt keine Grenzen.

Und er lässt sie nicht gelten. Es ist gut, diesen Gott zu kennen und wenn wir nur den kleinsten Windhauch seiner Kreativität abbekommen, reicht das für ein ganzes künstlerisches Lebenswerk.

Und dieser Gott steht vor uns, reicht uns die Hand und sagt: Und jetzt mach du! Hier ist die Musik. Sie ist schön. Mach was draus!

Und wir nehmen die Musik und sind fasziniert, von allem was sie bei uns bewirkt. Wir erkennen den Reichtum und die Macht, die in ihr steckt. Und die Möglichkeit, andere Menschen damit zu beeindrucken.

Wenn wir heute an Musik denken, haben wir in der Regel das Bild einer Bühne oder eines Konzertsaales vor Augen. Wir denken an eine super Performance und an ein tosendes Publikum.

Das war schon bei den alten Griechen so, die ihre steinernen Theater in die schöne griechische Landschaft bauten um dort ihre Tragödien aufzuführen und die Menschen zu »entertainen«. Und schon damals wurde deutlich, dass die Kunst immer nach Richtung schreit. Nach einem Ziel. Nach Sinn.

Das hat sich bis heute nicht geändert. Und wenn Gott nicht das Ziel ist, projizieren wir unsere Verehrung eben auf etwas anders, auf etwas, was uns anscheinend näher liegt, auf einen Star, auf einen Kult, eine Kunstform, auf einen Stil, auf ein Idol.

Doch das ist nicht das Ziel. Kein Star der Welt kann die Sehnsüchte der Menschen auf sich nehmen und sie erfüllen. Das wusste ein Jimi Hendrix als er seine Gitarre zertrümmerte, weil er nicht mehr wusste, was er anstellen sollte, um seiner Musik Richtung und Bedeutung zu verleihen und das wissen Tausende von ernsthaften Musikern unserer Zeit. Die Musik schreit nach Gott.

Weil sie in ihrer Grundsubstanz aus Anbetung besteht.

Wir können uns in unserer Welt umschauen und wir werden feststellen, dass es eigentlich keinen Mangel an Anbetung gibt. Es wird alles Mögliche angebetet manchmal könnte man meinen, es wäre ganz egal, was man anbetet; Hauptsache man kann anbeten. Das hat einen Grund: Anbetung ist ein Grundbedürfnis. Es ist keine heilige Pflicht. Oder ein Befehl Gottes an uns: »Wenn du nicht, dann...«. Wir können nicht ohne Anbetung. Wir schreien danach.

Ich bin froh, dass wir den letzten Jahren einen Weg gezeigt bekamen, diesem Schrei unseres Herzens in der Worshipmusik Ausdruck zu verleihen und Gott hat uns einen Blick durch das Schlüsselloch gegönnt, einen Blick in das, was noch kommen wird.

Wir freuen uns, diesem Gott zu singen und zu rocken und zu jazzen. Wir tun das auf großen Festivals, in unseren Gemeinden und Hauskreisen und Gott zeigt uns, dass er ein liebevoller, mächtiger, verspielter Vater ist. Das ist super und das muss auch zuerst so sein.

Aber wenn wir uns in unserer »Worshipkultur« langsam heimisch fühlen und sich unsere Szene zu einen »Worshipverein« mit »erstem, zweitem Vorsitzenden, Schriftführer und stellvertretendem Schriftführer« entwickelt, schrammen wir an unserer Berufung vorbei. Denn die Welt schreit nach Anbetung!

Im Psalm 67 lesen wir: »Es sollen dich preisen die Völker, Gott; es sollen dich preisen die Völker alle.«

Anbetung ist kein Privileg für die Insider. Es ist Gottes Geschenk an die »Heiden«, die Menschen, die wie der Begriff sagt »auf der Heide«, weit draußen außerhalb der christlichen Stadt mit ihren Kirchen und Klöstern, leben. Gott hat ihren Schrei gehört und will, dass sie zum Volk Gottes dazukommen.

Vor acht Jahren haben wir in Köln einen Versuch gestartet. Wir haben den Psalm 67 als Anlass genommen, unsere sicheren christlichen Terrains zu verlassen und Gott dort anzubeten, wo die Menschen unserer Stadt normalerweise »anbeten«. Und so ziehen wir mit der »Cologne Worship Night« durch die Musikclubs und Konzertplätze Kölns und bringen Menschen mit diesem unglaublichen Gott in Kontakt.

Was mittlerweile für uns ganz normal geworden ist, war am Anfang schon etwas ungewöhnlich. Ich erinnere mich an unsere erste Worshipnight im »Alten Wartesaal«, einem berühmten Kölner Club, im dem ich schon einige Konzerte gesehen hatte. Als wir auf die Bühne gingen habe ich mich gefragt:

»Lothar, was machst du hier eigentlich. Du gehst mit Anbetung in diesen Club, bist du verrückt geworden?« Aber einen Moment später auf der Bühne spürte ich die Hand Gottes wie eine Wand hinter mir und hatte ein Gefühl, als wenn Jesus sagen würde: »Hier ist die Musik. Sie ist schön. Mach was draus! Ich bin mit dir!«

In den Jahren sind viele tausend Menschen in unsere Worshipnights gekommen und viele von ihnen haben zum erstem Mal in ihrem Leben etwas von Anbetung Gottes gespürt. Und heute stehen wir manchmal nach so einem Abend zusammen und sagen uns: »Schon interessant; es scheint irgendwie zu funktionieren.«

Ich glaube zutiefst, dass Gott die Kultur unserer deutschsprachigen Länder noch einmal reformieren möchte. Dafür lebe und arbeite ich.
Die Musik gehört Gott und nur in ihm gelangt sie zu ihrer ganzen Bedeutung und künstlerischen Blüte.

Diese Blüte hat es in der mitteleuropäischen Geschichte immer mal wieder gegeben; mal durch Einzelne, die an ihrem Ort Gott vertraut haben und mal durch ganze Epochen, die bis in unsere Zeit das eigentliche Erbe unseres Kulturkreises sind.

Bei aller Begeisterung für die Sache Gottes kann man im Moment von dieser prägenden Wirkung der Anbetung auf unsere Kultur nicht viel erkennen. Aber das konnte ein David auch nicht. Oder ein Mose. Oder ein Abraham. Und auch nicht die Jünger Jesu, die die ganze antike Welt mit dem Evangelium in Aufregung versetzten. Wir sind in guter Gesellschaft.

 

Autor: Lothar Kosse

Jahr: 2000

Update: 03.04.2000

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