Vor einigen Wochen war ich eingeladen, auf einem Missionsfestival für Jugendliche die Anbetung musikalisch zu leiten. Das hat mich neu ins Nachdenken gebracht über den Zusammenhang von Mission und Anbetung. In vielen christlichen Köpfen hat Anbetung zunächst einmal wenig mit Mission zu tun: Für die einen ist Anbetung eine fromme Veranstaltung, die Sonntags morgens in Gottesdiensten stattfindet. Für die anderen ist es eine besondere Art von Musik, die aus dem CD-Spieler ertönt. Für wieder andere ein persönliches emotionales Erlebnis. Aber mit Weltmission scheint es auf den ersten Blick wenig zu tun zu haben.


Das große Ziel Gottes

Ein Blick in die Bibel zeigt aber, dass dieser Eindruck täuscht. Denn im Buch der Offenbarung sehen wir deutlich, worauf Gottes Geschichte mit der Welt letztendlich zusteuert. ?Danach sah ich, und siehe, eine große Schar, die niemand zählen konnte, aus allen Nationen und Stämmen und Völkern und Sprachen; die standen vor dem Thron und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern und mit Palmzweigen in ihren Händen, und riefen mit großer Stimme: Das Heil ist bei dem, der auf dem Thron sitzt, unserm Gott, und dem Lamm! Und alle Engel standen rings um den Thron und um die Ältesten und um die vier Gestalten und fielen nieder vor dem Thron auf ihr Angesicht und beteten Gott an.? (Offb. 7.9-12). Und wenig später singen die versammelten Völker ein Lobpreislied: ?Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen? Denn du allein bist heilig! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir!? (Offb. 15,4). Die Anbetung der versammelten Menschheit vor seinem Thron ? das ist Gottes Wunsch, sein Plan und sein Ziel für diese Welt. Und unsere Mission ist es, dieses Lied der Zukunft schon jetzt zum Erklingen zu bringen ? und Menschen aus der ganzen Welt dazu einzuladen.

Anbetung weltweit ? und ganz persönlich

Mission und Anbetung gehören also sehr eng zusammen: Mission ist Gottes Einladung in die weltweite Bewegung der Anbetung, die sich schon jetzt aus allen Völkern und Ländern formiert und am Ende der Zeiten vor Gottes Thron ihren Höhepunkt finden wird. Jede Zeit der Anbetung, die wir als Gemeinde, als Familie oder auch alleine erleben, ist Teil dieser großen weltweiten Overtüre. Aber ¬? und das ist wichtig: Es ist eine Overtüre, bei der jede einzelne Stimme zählt. Anbetung ist kein Massenevent, bei dem der Einzelne letztlich egal ist. Manche würden sich das wünschen. Vor allem die Unmusikalischen, Unemotionalen und geistlich Geschäftigen unter uns. Denen wäre es manchmal lieb, wenn die Anbetung von denen erledigt würde, die dazu einen besonderen Draht haben. Aber in dieser Sache gibt es keine Stellvertretung: Gottes Einladung gilt nicht nur der ganzen Welt, sondern jedem einzelnen von uns. Das griechische Wort für ?Anbetung? birgt in sich ein doppeltes Bild: Das Bild vom gemeinsamen ?Niederfallen? eines Volkes vor seinem König, wie es der Text aus der Offenbarung oben beschreibt. Es birgt aber auch die Bedeutung ?küssen?? und das ist immer etwas sehr Privates. Eine innige Begegnung von zwei Liebenden, voller Wertschätzung, Verehrung und Zuneigung. Auch das ist Anbetung. Anbetung vereinigt also beide Dimensionen in sich: die weltweite Dimension und die ganz persönliche Dimension. Wir sollten die eine nicht gegen die andere ausspielen, und wir brauchen es auch nicht.

Der unvollendete Klang der Ewigkeit

Wenn Anbetung die große Partitur ist, die der Schöpfer für unsere Welt geschrieben hat, dann hat er darin für jeden von uns eine ganz eigene Stimme komponiert. Wenn wir sie nicht singen, dann fehlt etwas vom Klang der Ewigkeit. Und wenn wir nicht unsere Nachbarn, unsere Freunde und Menschen von allen Ecken der Erde einladen in die große Sinfonie der Anbetung, dann bleibt ihre Stimme ungehört. Die Overtüre hat schon begonnen. Das große Finale aber steht noch aus. Die Einladung zur Anbetung ist Gottes große Mission. Und Mission ist die Einladung zur Anbetung des großen Gottes.

(ursprünglich erschinen in: EMO aktuell. Magazin der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten, Ausgabe März 2011)

   
© G. Baltes / T. Schröder