Anbetung heißt, Gott zu sehen. Im Leben eines Anbeters, und gerade im Le- ben eines leitenden Anbeters, geht es viel mehr um eine Fähigkeit zur Vision als um eine bestimmten Persönlichkeitstyp oder bestimmte Begabungen. Be- vor man Gott anbeten kann, muss man ihn erst einmal sehen. Bei der Anbe- tung wie bei der Anbetungsleitung geht es darum, Gott zu sehen. Die großen Anbeter aller Zeiten, Leute, die Geschichte geprägt haben, haben Gott ge- sehen. Sie hatten eine Vision Gottes. »Und das Wort des Herrn kam zu Ab- raham in einem Gesicht (einer Vision)« (Gen. 15,1). Der Ausblick auf Gottes Herrlichkeit - obwohl nur von hinten - gab Moses die Kraft, die Israeliten auch weiterhin in der Anbetung zu leiten. Oder Jesaja: »In dem Jahr, als Kö- nig Usia starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel.« Angefangen bei den Richtern und Königen bis hin zu den Propheten und Aposteln, war es diese Erfahrung der Sicht Gottes, der Vision, die diese Leute und ihre Anbetung von anderen un- terschied. Sie sahen Gott und konnten nicht mehr zum gewöhnlichen Leben zurückkehren.Und andere folgten ihnen, angespornt durch diese Vision von Gott.

Menschenwürde und Genuss sind zentrale Stichworte unserer Kultur. Beides hat mit Anbetung zu tun. Anbetung ist Wiederherstellung der Menschenwürde. In der Anbetung finden wir zurück zu unserer eigentlichen Berufung. An- beter sind Gottes-Genießer. Insofern ist Anbetung auch Kernstück alles »Genusses«, der sich sonst auf das Geschaffene, nicht auf den Schöpfer richtet.

   
© G. Baltes / T. Schröder