Es gibt keine einheitliche Beurteilung der Musik innerhalb der christlichen Theologie, genausowenig in der kirchenmusikalischen Praxis. Es wäre verwegen, hier die ''christliche' Antwort auf die Herausforderung durch die New Age-Entwürfe zu präsentieren. Die Haltung zur Musik ist verknüpft mit grundsätzlichen Entscheidungen hinsichtlich des Aufbaus christlicher Theologie und Ethik.


Ob Theologie primär von Schöpfungsordnungen (wie z. B. Staat, Ehe etc.), oder von der kritischen Kraft der Befreiung von allen Mächten und Zwängen dieser Welt durch Christus ausgeht, hat Auswirkungen auf das Verständnis der Musik. Ebenso ist es von Belang, ob das Christentum eingebettet wird in die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und dann als Theorie des menschlichen Selbstbewußtseins und der Freiheitserfahrung thematisiert wird, oder ob allein die gegenwärtige, personale Begegnung zwischen Mensch und Gott durch Gottes Wort oder Geistwirken zählt. Eine entscheidende Grundfrage ist, wie man sich die Gegenwart Gottes in der Welt vorstellt: als substantielle Einwohnung z. B. in den Sakramenten, in der Schöpfung insgesamt oder nur in der menschlichen Vernunft; oder als sich dem substantiell-materiellen Denken völlig entziehendes Geistwort, also als 'reine Beziehung' des unanschaulichen, transzendenten Gottes zum Menschen, als 'leiblich' nicht greifbare und 'habbare' Größe.

Autor: Peter Bubmann

Jahr: 1988

Update: 15.02.2008

weitere Infos: http://www.peter-bubmann.de/publikationen/Urklang.htm

   
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